

Bei den Erwachsenen sind oft Reiter erfolgreiche Sportler. Unter Jungs wird Reiten jedoch häufig als "Mädchensport" heruntergeputzt. Das ist natürlich ganz schön blöde, aber Mädchen haben in der Mehrzahl tatsächlich eine innigere Beziehung zu den Pferden. Aber warum?
Die Zuneigung von Mädchen zu Pferden zeigt sich auch bei Zeitschriften und im Fernsehen. Denk nur beispielsweise mal an Sendungen wie "Immenhof", dem Sechsteiler "Clara" und an Comics wie "Lissy" und "Wendy". Immer geht es um die Freundschaft zwischen Pferden und Mädchen.
Mädchen hatten schon immer ein ganz besonderes Verhältnis zu Pferden. Viele Mädchen verbringen ihre Freizeit am liebsten im Stall, lesen Pferdebücher und die erwähnten Comics. Auch im Zimmer hängen oft Pferdeposter und das Barbiepferd durfte in jüngeren Jahren auch nicht fehlen. Klar, auch Jungs haben als Knirpse hin und wieder Barbiepferde, jedoch nicht so häufig wie Mädchen.
Bei einer Studie wurden Mädchen befragt, was sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden. Neben den Eltern wurde von vielen ihr Pferd genannt und zwar noch vor der besten Freundin. Zahlen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung bestätigen diese Studie. In der Altersklasse bis 14 Jahren sind fast neunzig Prozent der Reiter weiblich. Doch warum ist das so? Nun, dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen.

Vor allem die Zeit vor der Pubertät verbringen Mädchen gerne mit Pferden. Für ihre Puppen sind sie nun mal zu alt und Jungs sind noch relativ uninteressant. Pferde geben ihnen die Wärme und Zuneigung, die sie brauchen, um den Abnabelungsprozess von den Eltern zu beginnen.
Im Stall sind die Mädchen meistens unter sich, ohne die ständigen Ermahnungen der Eltern. Dieses Erlebnis der Zugehörigkeit zu einer gleich gesinnten Gruppe ist sehr wichtig. Die Mädchen übernehmen im Stall erstmals ohne Aufsicht der Eltern Verantwortung.
Befragt man Mädchen verschiedener Altersgruppen nach den Gründen für ihre Zuneigung zu den großen Vierbeinern, bekommt man in der Regel vergleichbare Antworten: "Pferde sind groß und stark", "Sie haben ein so seidiges und weiches Fell", "Man kann super mit ihnen schmusen" oder "Mein Pferd versteht mich ohne viele Worte".
Reitlehrer sind sogar der Ansicht, dass Mädchen den Jungen beim Reiten überlegen sind, da sie sich besser in ein anderes Lebewesen einfühlen können. Für die jüngeren Mädchen sind Pferde weniger wegen des Reitens wichtig. Sie wollen die Tiere verhätscheln, striegeln und ihnen die Mähnen und Schweife frisieren. Die Tiere sind sozusagen ein lebender Puppenersatz auf dem man auch mal reiten kann.
Viele Mädchen können sich gar nicht vorstellen, eines Tages mit dem Reiten aufzuhören. Sie wollen ihrem Hobby ewig treu bleiben. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Jungs und Partys werden wichtiger und die einst so geliebten Pferde geraten allmählich in Vergessenheit. Oder?
Dr. Alexander Stahr