

Wenn Du das Wort "Natur" hörst, dann denkst Du vielleicht an Wälder mit ihren zahlreichen Tieren, an einsame Berggegenden mit großen Gletschern, Wasserfällen und Seen, an Löwen und Elefanten in Afrika, an die Weite des Meeres oder einfach an eine hübsche Blume auf der grünen Wiese. Schön und gut.
Ist das alles? Was ist nach Deiner Meinung "Natur" oder was nicht? Fangen wir doch einmal mit ein paar Fragen an. Du bist in Deinem Zimmer. Ist das Natur? Du wirst sicherlich antworten: nein. Du schaust von einem Hochhaus auf eine Großstadt. Ist das Hochhaus Natur? Deine Antwort wird sicherlich "nein" lauten. Soweit in Ordnung. Oder auch nicht.
Warum würdest Du auf die gestellten Fragen immer "nein" sagen? Das ist doch eine blöde Frage, wirst Du nun denken. Spinnen die bei TK-LOGO jetzt völlig? Nun, erst einmal noch ein paar andere "blöde" Fragen: Vielleicht warst Du im letzten Urlaub in den Bayerischen Alpen oder in den Dolomiten. Du bist dort mit Papa, Mama, mit beiden oder mit einem Bergführer auf einen hohen Berg gestiegen.
Ist dieser Berg Natur? Logo, wirst Du sagen. Aber vielleicht warst Du ja sogar mit einer Reisegesellschaft und Deinen Eltern in Afrika und hast auf einer tollen Safari nicht nur Löwen und Zebras, sondern auch Termitenhügel gesehen. Gehören die zur Natur? Logo, wirst Du wieder sagen. In Ordnung, Du hast völlig Recht.
Und jetzt kommt´s. In Afrika lebt zum Beispiel eine Termite, die hohe Erdhügel, richtige Hochhäuser in der Landschaft baut. In diesen Erdhügeln wohnt die Termite und zieht ihren Nachwuchs auf. Diese Termite ist ein Tier mit dem wissenschaftlichen Gattungs- und Artnamen Termes bellicosus. Ist das Natur?
Klar, wirst Du denken. In der deutschen Hauptstadt Berlin wohnen Menschen in Wohnhochhäusern, den Plattenbauten. Was soll denn dies? Nun, der Mensch ist ein Tier mit wissenschaftlichem Gattungs- und Artnamen Homo sapiens. Dieses Tier "Mensch" hat Wohnhochhäuser gebaut, in denen es auch den Nachwuchs aufzieht - vielleicht auch Dich.
Jetzt kommt die megacoole Frage: was ist der Unterschied? Antwort: es gibt keinen. Ach ja, da wäre ja noch die Sache mit den Bayerischen Alpen und den Dolomiten. Auch diese Gebirgsgruppen sind zu einem Großteil von Tieren gebaut worden. Korallen haben vor Millionen Jahren Riffe gebaut. Die ältesten Hochhäuser der Welt. In ihnen wohnten winzige Polypen als Teil der Koralle. Sie wuchsen durch ihre Kalkausscheidungen tausende von Metern und wurden irgendwann zu Bergen emporgehoben.

Man könnte jetzt auch umgekehrt sagen: Wenn man verhindert, dass ein Hochhaus abgerissen wird, dann ist das Naturschutz. Klingt irgendwie merkwürdig - oder? Aber es ist korrekt. Merkst Du nun etwas? Die Worte "Natur" und "Naturschutz" sind das Problem. Zumindest ein Problem, welches die Naturschützer haben.
Denn sie grenzen den Menschen als Teil der Natur aus der Natur aus. Das Wort "Natur" kommt vom lateinischen Wort "natura", die Geburt, das Hervorbringen. Und damit ist der Mensch automatisch inbegriffen. Wie löst man dieses Problem mit dem Naturschutz? Ganz einfach! Durch das Wort "Umweltschutz". Der Mensch als Teil der Natur schützt seine Umwelt, um sich selbst zu schützen. Da er sich selbst schützt, schütz er Natur - logo!
Beispiel: Die Menschen einer kleinen Stadt verhindern mit einer Bürgerinitiative, dass in einem nahe gelegenen Tal ein großer Damm gebaut wird, über den eine neue Straße führen sollte. Damit haben sie nicht nur ein hässliches Bauwerk verhindert, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt in dem Tal geschützt. Aber auch sich selbst. Denn sie haben erreicht, dass es keinen Baulärm und keinen zusätzlichen Verkehr mit weiteren Abgasen gibt.
Außerdem blieb das Tal für Spaziergänger in seiner Ursprünglichkeit erhalten und kann weiterhin für Erholungszwecke dienen. Und schließlich wurde ebenfalls verhindert, dass ein großer Damm die Frischluftzufuhr in Richtung Stadt abschneidet. "Naturschützer" würden nun sagen, dass die Natur geschützt wurde.
Damit haben sie Recht, denn die Menschen in der kleinen Stadt haben sich einen deutlich gesünderen Lebensraum oder eine deutlich gesündere "Umwelt" erhalten. Jetzt kommen wir aber zu einem richtig fetten Problem, wenn wir uns über die "Natur" und ihren Schutz Gedanken machen. Welche Natur schützen wir eigentlich?

Nehmen wir einmal den Menschen aus der Natur raus - einfach so - zack! Naturschützer schützen jetzt beispielsweise eine Streuobstwiese mit ihren wunderschönen alten Apfelbäumen und vielen seltenen Tieren. Das Häkchen hierbei: Die Streuobstwiese als Lebensraum hat der Mensch geschaffen.
Die Naturschützer schützen also keine Natur. Eher so etwas wie eine Apfelplantage. Gut, wir machen die Streuobstwiese platt und stellen den ursprünglichen Zustand her: einen Acker. Aber auch der wurde vom Menschen geschaffen. Davor gab es vielleicht einen Wald, den der Mensch angelegt hatte. Man könnte überall in Deutschland dieses Spielchen fortsetzen. Auch die Nordseeinseln gibt es nur, weil der Mensch sie künstlich erhält.
Nehmen wir den Menschen wieder in die Natur hinein - zack! Nun kann er als Teil der Natur problemlos die Natur der Streuobstwiese schützen, indem er seine Umwelt mit den wunderschönen Apfelbäumen und den seltenen anderen Tieren bewahrt. Der Mensch könnte auch den Wald wieder anpflanzen und schützen oder gar ganz neue Biotope mit seltenen Tieren schaffen und schützen.
Das ist alles recht willkürlich, denn eine Natur ohne den Einfluss des Menschen gibt es bei uns schon lange nicht mehr. Wichtig ist also, die Umwelt für den Menschen zu schützen und den Mensch und sein Handeln immer als Teil der Natur zu sehen, sonst sperrt er sich eines Tages noch selbst aus seiner gemachten Natur aus.
So etwas soll es schon gegeben haben. Alles klar? Wenn nicht, dann lies noch einmal von vorne oder sag Papa endlich mal, dass er nicht immer mit dem Auto zum Briefkasten an der nächsten Straßenecke fahren muss. Denn Bewegung ist gut und gesund, für Papa, für die Umwelt, für alle.
Dr. Alexander Stahr