
Der Lehrer riecht immer muffig, Mama hat Mundgeruch, und Papas Füße stinken zum Himmel. Oft riechen Menschen wirklich nicht gerade dufte. Aber woher kommen all die Gerüche?
Es gibt Leute, vor denen man am liebsten weglaufen möchte, wenn sie den Mund aufmachen - von Küssen ganz zu schweigen. Stichwort: Mundgeruch. Dieser unangenehme Duft kann verschiedene Ursachen haben. Da ist zum einen die Ernährung. So gesund und lecker Knoblauch, Schnittlauch und Zwiebeln sein mögen, sie stinken. Auch bei bestimmten Käsesorten müffelt es aus dem Mund. Übel "duften" auch Alkohol und Nikotin.

Hat jemand längere Zeit nichts gegessen, so ist ein typischer Geruch vernehmbar, der so genannte "Ketongeruch", der durch eine Umstellung des Stoffwechsels zustande kommt. Zu den Ketonen gehört zum Beispiel das bekannte Lösemittel Aceton mit einem typischen Geruch, der an Nagellackentferner oder "Uhu" erinnert.
Oft ist eine schlechte Zahn- und Mundhygiene die Ursache für Mundgeruch. Speisereste bleiben in den Zahnzwischenräumen oder am Übergang von Zahnfleisch und Zahn zurück und werden von Bakterien besiedelt und zersetzt. Und die kleinen Tierchen produzieren recht übel riechende Gase. Igitt!
Aber auch Krankheiten können am Mundgeruch schuld sein. Dazu gehören beispielsweise Abszesse in den Zahntaschen, Nasennebenhöhlenentzündungen, entzündete Mandeln, Pilzbefall, die so genannte Refluxkrankheit, bei der regelmäßig saurer Magensaft in die Speiseröhre zurückfließt, eine Zuckerkrankheit mit typischem Ketongeruch oder Entzündungen des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut.
Auch Menschen mit einem "nervösen Magen", die häufig auch Aufstoßen müssen und Sodbrennen haben, leiden oft an Mundgeruch. Nervöse Menschen haben in Stresssituationen nicht selten einen verstärkten Körper- und Mundgeruch.
Wenn Du Dein Essen zerkaut und hinuntergeschluckt hast, wird es im Magen und Darm weiter verdaut. Alle lebensnotwenigen Stoffe im Essen und in den Getränken werden dort in ihre Einzelbausteine gespalten, damit sie anschließend in den Blutkreislauf gelangen können. Dies passiert vor allem im Magen und im Dünndarm. Zu den lebensnotwendigen Stoffen gehören Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine, Spurenelemente und Mineralien.
Was im Magen und Dünndarm nicht richtig zerlegt wurde, gelangt schließlich in den Dickdarm. Hier ist das Reich der Bakterien, das auch Darmflora genannt wird. Die Bakterien ernähren sich von den nicht oder nicht vollständig zerlegten Resten und machen so manches davon noch verwertbar. Dabei entsteht allerdings Gas.
Die Wasserstoffbakterien beginnen mit der Arbeit. Sie bilden im Durchschnitt etwa zwölf Liter Wasserstoff (chemisch H) am Tag. Von diesem Biogas leben wiederum verschiedene andere Bakterien. Einige Bakterien, man nennt sie acetogene Bakterien, bilden Essigsäure. Und dafür benötigen sie den Wasserstoff. Wenn Du es genau wissen willst, passiert chemisch das: 2 CO2 + 4 H2 - CH2COOH + 2 H2O.
Neben vielen anderen Bakterien gibt es leider noch welche, die den Wasserstoff brauchen, um Schwefelwasserstoff zu bilden. Und das ist der Stoff, der "Feinde" macht. Er gibt den Darmgasen den grauenhaften Pupsgeruch und ist auch der wichtigste Stinkbomben-Bestandteil. Chemisch passiert dabei folgendes: H2SO4 + 4 H2 - H2S + 4 H2O. Leider ist Schwefel im Darm fast immer mit von der Partie. Besonders stinkt es, wenn Du Kohl- und Laucharten gegessen hast, die sehr viel Schwefel enthalten.
Schließlich bilden Methanbakterien mit dem Wasserstoff das hochexplosive Gas Methan (chemisch 4 H2 + CO2 -- CH4 + 2 H2O). Dieses Biogas stinkt nicht weniger als Schwefelwasserstoff, es lässt Pupse auch brennen. Ja, Pupse brennen! Aber bitte nicht ausprobieren!
Bei der Verdauung einer normalen Mahlzeit entstehen etwa 15 Liter Gas. Das meiste davon gelangt über die Darmwand in das Blut und wird über die Lunge abgeatmet, ohne dass Mundgeruch entsteht. Der Rest verlässt den Körper als Pups mit einer Geschwindigkeit von 0,1 bis 1,1 Metern in der Sekunde. Ein "stinknormaler" Pupser besteht aus etwa 60 Prozent Stickstoff, 15 Prozent Kohlenstoffdioxid, 20 Prozent Wasserstoff und fünf Prozent Sauerstoff.

Im Bereich der Achseln kann es heftig müffeln. Vor allem bei Erwachsenen mieft es oft entsetzlich. Verantwortlich für das blühende Geschäft mit Deorollern und Sprays aller Art sind winzige Lebewesen auf der Haut: Bakterien.
Der Mensch hat über den gesamten Körper verteilt etwa drei Millionen Schweißdrüsen. Besonders viele sitzen aber in den Achselhöhlen, im Nacken, am Kopf, auf der Stirn, an den Hand- und Fußflächen. Dabei hat der Mensch unterschiedliche Schweißdrüsen: die ekkrinen Schweißdrüsen befinden sich am gesamten Körper, die apokrinen Schweißdrüsen finden sich dort, wo es bei Erwachsenen besonders oft müffelt: in der Haut der Achseln und auch in der Genitalgegend.
Neben dem Schweiß sondern die apokrinen Schweißdrüsen auch Duftstoffe ab. Wenn Duftstoffe und der frische, noch geruchsfreie Schweiß von Bakterien zersetzt werden, entsteht durch Ausscheidungen der Bakterien der "Schweißgestank". Die apokrinen Schweißdrüsen werden erst in der Pubertät aktiv. Daher kann man die Pubertät riechen. Kinderschweiß ist meist geruchlos, weil bei Kindern die apokrinen Schweißdrüsen noch nicht ausgebildet sind. Aber das ist nicht der einzige Grund. Auch die Zusammensetzung der Hautbakterien ist bei jungen Menschen ganz anders als bei Erwachsenen. Auf Kindern leben bis zur Pubertät vor allem Streptokkokken, die kaum Geruch abgeben.
Auch Frauen und Männer riechen anders, weil unterschiedliche Bakterien auf ihrer Haut wohnen. Mikrokokken auf der Haut der Frauen sorgen für den typischen weiblichen Hautgeruch. In der so genannten Hautflora der Männer erzeugen hingegen die Diphteroiden den fast in der Nase stechenden Schweißgeruch. Hinzu kommen noch Abbauprodukte des männlichen Hormons Testosteron.
Wie letztendlich die ganzen Gerüche der Haut entstehen, ist aber noch nicht völlig geklärt. Warten wir also ab, bis die Forscher sagen können, warum es uns stinkt. Warum Du jemanden nicht riechen kannst, dass wäre übrigens ein ganz neues Thema.
Dr. Alexander Stahr