

Kennst Du Deinen Körper gut? Kannst Du Dich auf Deine fünf Sinne verlassen? Da kannst Du aber einige Überraschungen erleben. Versuche Dich an den folgenden vier Experimenten. Den meisten Spaß bringt das zusammen mit Freunden.
Für dieses Experiment brauchst Du einen Freund oder eine Freundin und einen kleinen Gegenstand, z. B. eine Euromünze, eine Murmel oder einen Stift. Halte diesen Gegenstand über die halb geöffnete Hand deines Freundes, lass ihn fallen und rufe dabei "Fang!". Er oder sie hat nicht gefangen? Dann lass den gleichen Gegenstand über Deiner eigenen Hand los. Du hast gefangen? Das liegt ausnahmsweise nicht daran, dass Du der bessere Fänger bist.
Des Rätsels Lösung: Der Grund dafür ist die Schrecksekunde bei Deinem Freund. Er bekommt keinen Schrecken vor Dir, aber von der Wahrnehmung über die Weiterleitung zum Gehirn bis zur Reaktion vergeht ein Zeitraum von gut einer halben bis über eine Sekunde, Schrecksekunde genannt. In dieser Zeit ist der Gegenstand schon zu Boden gefallen. Bei Dir wird das Loslassen und das Fangen des Gegenstandes gleichzeitig vom Gehirn gesteuert, so dass keine Zeit verloren geht, und Du erfolgreich zugreifst.
Setze Dich bei diesem Versuch an einen Tisch, auf dem Papier und Stifte bereitliegen. Schlage ein Bein über das andere und lass das obere schöne, runde Kreise ziehen. Nun beginne ein Bild zu malen. Zeichne einfach Deine Lieblingsmotive, ob Landschaften mit Sonne, Wolken und Blumenwiese, eine Stadt mit Häusern und Autos oder ein Raumschiff. Du wirst schon beim Malen bemerken, dass etwas anders ist als sonst. Führt Deine Hand den Stift nicht anders? Stockt die Beinbewegung immer wieder? Das fertige Bild unterscheidet sich deutlich von Deinen Standardwerken, denn die Kreisbewegung des Beines hat sich eingeschlichen.
Wie kann das sein? Es liegt an der Konzentration, also der Ausrichtung Deiner Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit. Will man mehrere Dinge gleichzeitig tun, die Konzentration erfordern, dann schleichen sich schnell Fehler ein, wie beim Walkman-Hören in Deine Hausaufgaben. Die Konzentration lässt sich aber durch Übung verbessern und nimmt in jungen Jahren zu, also fordere Deine Sinne immer mal spielerisch heraus.
Halte Dich im Freien an einer Stange fest und laufe einige Male schnell um sie herum, im Haus kannst Du einen Stock in die Hand nehmen und ihn umkreisen. Dann laufe gerade auf ein Ziel zu, z. B. direkt zu einem Stuhl. Du bist vom Weg abgekommen und fühlst Dich, als hättest du einen Drehwurm?
Woran mag das liegen? Du hast sicher schon gehört, dass Menschen einen Gleichgewichtssinn haben. Dieses Gleichgewichtsorgan befindet sich im Innenohr und registriert Bewegungs- und Richtungsänderungen, so dass Dein Körper sie ausgleichen kann. Sehr ungleichmäßige Bewegungen können Deine Koordination stören, es kann Dir sogar schlecht werden. Nach einer schnellen Karussellfahrt oder einer langen Schifffahrt kannst Du anschließend kaum geradeaus laufen. Bei einer kurvenreichen Autofahrt oder auf dem Schiff bei Seegang werden viele Menschen durch die Störung des Gleichgewichtsorgans ganz schön grün im Gesicht.
Leg ein Blatt Papier vor Dich auf den Tisch und male in die Mitte ein Kreuz oder einen Kreis. Schließe das rechte Auge und versuche schnell mit Deinem Stift einen Punkt mitten auf dieses Ziel zu machen. Daneben? Dann schließe mal das linke Auge und wiederhole den Versuch. Schon wieder verfehlt? Nun mach einfach beide Augen auf und setze nochmals einen Punkt auf Dein Ziel. Na, das ist doch ganz einfach, nur bei einem geschlossenen Auge landest du meist neben dem Ziel.
Alles hat seinen Grund: Deine Augen liegen ein Stück auseinander. Jedes Auge nimmt ein etwas anderes Bild aus einem anderen Winkel auf. Erst durch die Verarbeitung beider Bilder kannst Du dreidimensional sehen. Aus den verschiedenen Winkeln Deiner Augen zu einem Punkt kann Dein Gehirn auch die Entfernung erkennen, Du kannst räumlich sehen und verfehlst Dein Ziel nicht.
Bilder und Text: Birgit Bender