




Stell Dir vor, Dein Hausschlüssel plumpst aus Versehen ins Klo. Da möchtest Du ihn verständlicherweise wieder herausholen, ohne Deine Hand nass zu machen. Du hast aber gerade leider keine Handschuhe dabei. Da könnte Dich ein ganz besonderes Zauberpulver retten. Probier es aus!
Du brauchst: Ein großes Wassergefäß und Bärlappsporen aus der Apotheke.
Ersetze bei diesem Experiment die Kloschüssel doch lieber durch ein großes Gefäß, beispielsweise eine Glasschüssel, die Du mit Wasser füllst. Wirf nun Deinen Schlüssel oder einen anderen schweren Gegenstand ins Wasser. Den sollst Du herausholen, ohne dass Deine Finger nass werden.
Logo, Du kannst ihn mit einem Hilfsmittel wie Stock oder großem Löffel herausangeln. Aber wenn Du den Schlüssel dann in die Hand nimmst, werden Deine Finger trotzdem feucht.
Nimm einfach Zauberpulver! Das heißt Bärlapp-Sporen und ist in Apotheken erhältlich. Wirf den Schlüssel in die Schüssel und streue von dem gelblichen Pulver soviel auf die Wasseroberfläche, dass diese vollständig bedeckt ist. Greife nun einfach mit der Hand ins Wasser und hole den Schlüssel heraus.
Wenn Du die Hand wieder aus dem Wasser herausziehst, ist sie völlig trocken! Du hast lediglich gelblichen Staub an der Hand, den Du abklopfen kannst. Da fragst Du Dich natürlich, warum die Hand trocken bleibt, wenn man vorher Bärlapp-Sporen aufs Wasser gibt.
Das Pulver stammt also von der Pflanze Bärlapp (Lycopodium clavatum). Woher kommt dieser ungewöhnliche Name? Im Althochdeutschen war "lappo" eine flache Hand. Weil man die weichen Stengelspitzen der Pflanze mit der Tatze eines Bären verglich, entstand der Name "Bärlapp".
Aus den Fruchtähren des Bärlapp, die man im Juli und August erntet, lassen sich blassgelbe Sporen ausschütteln. Man nennt oder nannte diese auch Hexenmehl, Erdschwefel, Drudenkraut, Waldstaub oder Blitzpulver. Und diese Namen lassen einige Eigenschaften des Pulvers erahnen.
Bärlapp-Sporen sind sehr leicht, sehr klein und haben eine besondere Form. Sie benetzen alles außer Wasser. Sie sind sozusagen absolut wasserscheu und stoßen das Wasser geradezu ab. Das bezeichnet man als "hydrophob". Und genau das ist der Trick: Die Bärlapp-Sporen umhüllen Deine Hand mit einer hauchdünnen Schicht und halten das Wasser von ihr fern.
Das Wasser kommt weder an Deine Haut noch an das Pulver heran. Denn zwischen dem Bärlapp-Pulver und dem Wasser ist eine hauchdünne Schicht Luft. An der Grenzfläche zwischen dieser Luft und dem Wasser wird ein großer Teil des Lichts reflektiert, so dass die Finger auch noch geheimnisvoll silbrig-gelb im Wasser wirken.
Wenn Du den Trick mehrmals anwendest, ohne neues Pulver dazu zu streuen, entstehen Lücken in der Bärlappschicht und Deine Hand wird an diesen Stellen feucht. Mit Mehlstaub oder sonstigen Pulvern kannst Du das Experiment nicht durchführen, denn der nimmt Wasser auf und verklebt.
Bärlapp-Sporen dienten beispielsweise in der Medizin dazu, Tabletten vor dem feucht werden und verklumpen zu schützen. Sie wirken außerdem als Wundpulver schmerzlindernd und kühlend. Das wussten auch die Indianer schon früh. Und in Amerika wächst auch viel mehr Bärlapp als bei uns. Übrigens wurde dieses Zauberpulver früher auch gern im Theater benutzt, um Explosionen darzustellen. Denn es entwickelt eine starke Flamme und viel Rauch, wenn man es anzündet.
Text und Bilder: Birgit Bender