




Eine überflüssige Frage, denkst Du jetzt sicher. Es weiß doch jedes Kind, dass Wasser nass ist. Nun, dann erklär doch mal kurz jemandem, was eigentlich "nass" bedeutet. Ach, so einfach ist das doch nicht? Wie Du merkst, musst Du einfach nur wissen, was "nass" bedeutet, um zu beantworten, warum Wasser nass ist. Probier es aus!
Du brauchst: Zwei kleine Schüsseln, etwas Wasser und etwas Mehl.
Stell eine Schüssel mit Wasser und eine mit etwas Mehl vor Dich. Halte einen Finger in die Schüssel mit Wasser und bewege ihn hin und her. Was spürst Du? Du spürst Bewegung. Das Wasser ist flüssig und fließt und gleitet um den Finger. Nun nimm den Finger wieder aus dem Wasser heraus: Weiterhin bewegt sich etwas, denn das Wasser rinnt am Finger herab, es haftet am Finger und es bilden sich an der Fingerspitze Tropfen.
Bewege einen anderen trockenen Finger durch das Mehl. Hier spürst Du ebenfalls Bewegung, wenn das feste Mehl um Deinen Finger rieselt. Auch diesmal bleibt etwas am Finger hängen, wenn Du ihn aus dem Mehl nimmst, aber es bewegt sich nichts mehr! Vergleiche beide Finger: Bei dem mit Mehl siehst Du einzelne Mehlstaubteilchen anhaften. Der andere Finger ist hingegen mit einer "Wasserhaut" benetzt. Die kannst Du im Gegensatz zum Mehl nicht einfach wegpusten.
Wenn Du lange genug wartest, verdunstet das Wasser am Finger. Denn die Luft kann Wasser solange verdunsten und als Wasserdampf in sich aufnehmen, bis sie "gesättigt" ist. Dabei merkst Du etwas Neues: Dein Finger kühlt ab. Das nennt man "Verdunstungskälte" oder der Physiker "Verdunstungskühlung". Dabei kühlen das Wasser selbst und seine Umgebung, also Dein Finger, ab.
Dazu gibt es noch einen einfachen Versuch: Lege Deine Hände flach vor Dich auf den Tisch. Lecke über einen der Handrücken. Puste anschließend sowohl über den feuchten als auch über den trockenen Handrücken. Der trockene Handrücken lässt Dich Deinen warmen Atem spüren, beim feuchten Handrücken spürst Du hingegen die Verdunstungskühlung. Diese Abkühlung wird dadurch verursacht, dass der Flüssigkeit und ihrer Umgebung die zum Verdunsten erforderliche "Verdunstungswärme" entzogen wird.
Wasser ist genau genommen nass, weil Du zwei Empfindungen damit verbindest: die Bewegung und die Kühlung. Das Wort "nass" beschreibt eine ganz bestimmte Kombination dieser Empfindungen. Aber "nass" ist auch eine Erfahrung. Schau mal nach einem Regenschauer aus dem Fenster auf die Straße. Da wirst Du denken: "Jetzt ist aber alles nass!", und das, obwohl Du die Pfützen nicht berührt hast.
Schon als kleines Kind hast Du mit Wasser herumgeplanscht. Dabei hast Du Bewegung und Kühlung wahrgenommen und Dir eingeprägt, wie der Stoff aussieht, der diese Empfindungen auslöst. Von Deinen Eltern hast Du gelernt, dass man zu den Erfahrungen und Beobachtungen, die Du mit Wasser gemacht hast, "nass" sagt. Und wenn Du jetzt eine Pfütze siehst, weißt Du ganz einfach, dass es dort nass ist. Wenn ein neugeborenes Kind schon sprechen könnte, wüsste es noch nicht, was "nass" bedeutet. Doch Du kannst es jetzt ganz genau erklären!
Text: Birgit Bender