




Du möchtest gerne wissen, wo genau welche Himmelsrichtung ist. Dann kannst Du Dich nach der Sonne orientieren. Dort, wo sie morgens aufgeht, ist Osten, wo sie untergeht ist Westen. Und bei schlechtem Wetter, dichtem Nebel oder in der Nacht? Da hilft nur der Kompass.
Ein Kompass funktioniert, weil die Erde ein Magnetfeld hat. Wahrscheinlich wurde der Erdmagnetismus schon um das Jahr 1000 nach Christus in China entdeckt. Dort wurden so genannte "Südweiser" gebaut, bei denen ein Magneteisenstein an einem Faden aufgehängt wurde. Im Jahr 1190 wurde in Frankreich eine "Wasserbussole" beschrieben, bei der eine Kompassnadel auf schwimmenden Strohhalmen befestigt war.
Die Forscher - man nennt sie Geophysiker - nehmen an, dass das Magnetfeld tief im Innern der Erde entsteht. Die Erde hat eine feste Kruste, darunter folgen der Erdmantel und schließlich der äußere und innere Erdkern. Das weißt Du wahrscheinlich schon. Der äußere Kern der Erde ist flüssig und zwischen 4.000 und 5.000 Grad heiß.
Die Geophysiker gehen davon aus, dass Umwälzungen in diesem flüssigen Kern Ströme und somit das Magnetfeld der Erde erzeugen. Also ganz ähnlich wie bei Deinem Fahrraddynamo, der sich dreht und somit Strom für die Beleuchtung liefert. Ein ganz kleiner Teil des Erdmagnetfeldes wird aber auch durch elektrische Ströme in der Atmosphäre erzeugt.
Und ein noch viel kleinerer Teil entsteht durch magnetische Gesteine in der Erdkruste. Es gibt beispielsweise Gegenden mit magnetischen Gesteinen, wo die Kompassnadel erheblich vom eigentlichen Magnetfeld der Erde abweicht.
Die Venezianer benützten für einen ähnlichen Aufbau wie bei der "Wasserbussole" der Franzosen, bei der eine Kompassnadel auf schwimmenden Strohhalmen befestigt war, einfach ein Korkstöckchen. Und genau das kannst Du auch machen. Ohne viel Aufwand kannst Du Dir schnell und einfach einen Kompass wie die alten Venezianer bauen.
- einen stinknormalen Nagel, am besten sehr lang und schmal
- einen Korken von einer Weinflasche
- einen Magneten
- eine Schüssel mit Wasser, die groß genug ist, um den Korken mit
Nagel aufzunehmen
- etwas Spülmittel
Streiche mit dem Magneten mehrmals in gleicher Richtung über den Nagel und stecke ihn dann durch den Korken in Längsrichtung. Dann setze den Korken zusammen mit dem Nagel in eine Schüssel mit Wasser. Nach einiger Zeit beginnt der schwimmende Korken mit dem magnetisierten Nagel, sich in Richtung der beiden Erdpole zu drehen.
Falls sich der Korken nicht richtig dreht, kannst Du etwas Spülmittel in das Wasser geben. Spätestens danach sollte sich der Korken in Richtung der Erdmagnetpole ausrichten.
Weil Du den Magneten über das Metall des Nagels geführt hast, wurde aus ihm selbst ein kleiner Magnet. Da die Erde auch ein großer Magnet ist und Magnete sich gegenseitig beeinflussen, dreht sich der Korken zusammen mit dem Nagel in Richtung der Pole der Erde. Jetzt musst Du noch eine Landkarte nehmen, dann weißt Du genau, wo Norden und Süden ist. Das kannst Du mit einem "N" für Norden und "S" für Süden mit einem Filzstift auf den Korken schreiben. Und fertig ist Dein selbstgebauter "Korkenkompass".
Text und Bilder: Alexander Stahr