Max, 10 Jahre, lebt in Berlin und trainiert seit Jahren dreimal die Woche Basketball. Daran änderte auch die Krankheit Diabetes nichts, die Ärzte vor zweieinhalb Jahren bei ihm entdeckten. TK-Logo erklärt Dir, was Diabetes eigentlich ist und wie der Sportler Max damit lebt.

Max (10) möchte Basketball-Profi werden
© Beate Wagner
Angefangen hat alles, als Max abends plötzlich nicht mehr einschlafen konnte, obwohl er hundemüde war. In der Schule rutschte der damals Achtjährige unruhig auf dem Stuhl hin und her, denn er konnte sich nicht konzentrieren. Auch die Klassentür fand Max plötzlich ziemlich schwer - sie ließ sich nicht mehr so leicht öffnen wie früher. Beim Training musste er häufig auf der Bank verschnaufen, so schlapp und schlecht fühlte er sich. Als seine Eltern bemerkten, dass ihr Junge innerhalb von zwei Wochen mehrere Kilogramm abgenommen hatte, gingen sie mit ihm zur Kinderärztin.
Schnell war klar: Max hat eine Krankheit, von der er selbst bis dahin noch nie etwas gehört hatte. Aber sie wird ihn von nun an sein Leben lang begleiten. Diabetes heißt die Stoffwechselerkrankung, im Volksmund auch Zuckerkrankheit genannt. Es gibt mehrere Formen, die wichtigsten sind Typ 1 und Typ 2.
Was ist ein Hormon? Ohne Hormone wäre in unserem Körper wenig los. Sie sind zwar winzig, dafür aber wirkungsvoll: Hormone beeinflussen, ob wir uns gut oder schlecht fühlen, sie sind die treibenden Kräfte beim Erwachsenwerden oder helfen beim Verdauen von Speisen. Kurz gesagt sind sie mitverantwortlich dafür, dass alle Stoffwechselprozesse reibungslos funktionieren. Wir bekommen es nicht bewusst mit, doch die kleinen Botenstoffe steuern in "Absprache" zum Beispiel mit dem Nervensystem alle wichtigen Vorgänge in unserem Körper. Insgesamt gibt es mehr als 30 verschiedene Hormone, sie werden in Drüsen hergestellt. Beispiel: Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse produziert. Kann die Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin herstellen, kommt es zu Diabetes.
Was steckt hinter Typ 1 und Typ 2?Diabetes Typ 1 entdecken die Ärzte bei den meisten Menschen bereits im Kindes- oder Jugendalter. Bei ihnen produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin. Das ist ein Hormon, das unser Körper dringend braucht, um Zucker aus dem Blut in die Körperzellen zu transportieren. Zucker ist wichtig, damit die Zellen arbeiten können. Nehmen die Zellen es nicht auf, greift der Körper auf andere Quellen zurück und baut Fett ab. Daher werden Kinder immer dünner, wenn sie diabeteskrank sind, die Krankheit aber noch nicht festgestellt worden ist. Diabetes Typ 1 kann vererbt werden.
Bei Diabetes Typ 2 ist die Bauchspeicheldrüse zwar in der Lage, Insulin zu produzieren. Die Zellen erkennen den Botenstoff aber nicht mehr und nehmen so nur noch wenig Zucker aus dem Blut auf. Diabetes Typ 2 entsteht vor allem, wenn man zu viel isst und sich zu wenig bewegt.
Diabetes ist eine häufige Erkrankung, allein in Deutschland leben rund
sieben Millionen Menschen damit. Höchstens 200.000 Menschen davon haben
– so wie Max aus Berlin – Diabetes Typ 1. Seit er von seiner Krankheit
weiß, muss er darauf achten, was und wie viel er isst. Max muss seinen
Blutzucker mit einem Messgerät kontrollieren und sich regelmäßig
Insulin spritzen. Das ist wichtig, damit der Blutzuckerwert "gut
eingestellt" ist, wie die Ärzte sagen. Also nicht zu hoch, aber auch
nicht zu niedrig. Langfristig darf der Blutzucker eine bestimmte Grenze
nicht überschreiten, denn das ist schlecht für den Körper. Zum Beispiel
kann ein zu hoher Blutzuckerwert Herz, Nieren, Augen, Gefäße oder
Nerven schädigen.
Kinder mit Diabetes wissen Bescheid über ihre Krankheit
Max hat sich auf seine Krankheit eingestellt. Sie hindert ihn nicht am Basketballspielen.
© Beate Wagner
Bis Max das alles so richtig verstanden hatte, dauerte es eine Weile. In der Diabetesklinik lernte er, wie er sich selbst in die Bauchdecke oder den Oberschenkel piekst, damit sein Körper immer soviel Insulin hat wie nötig. Heute weiß Max, wieviel Insulin er braucht, wenn er Pfannkuchen essen möchte oder was zu tun ist, wenn ihm beim Basketballtraining schwummerig wird. Manchmal ist er natürlich auch ganz schön genervt oder traurig. Dann fragt er sich, warum es gerade ihn getroffen hat. Aber mit der Zeit hat er sich an seine Erkrankung gewöhnt.
Seit eineinhalb Jahren besitzt Max außerdem eine Insulinpumpe. Das ist ein kleines Gerät, das Max in einem speziellen Täschchen am Gürtel direkt am Körper trägt. Über einen kleinen Schlauch pumpt es Insulin in Abständen von wenigen Minuten in seinen Körper, genau nach dem individuellen Bedarf. Wenn Max essen möchte, drückt er auf einen Knopf der Pumpe, sodass sie zusätzlich Insulin in den Körper abgibt. Das ist einfach und nicht so lästig wie die ständige Spritzerei.
Insulin und SportIsst der Diabetiker ein Stück Kuchen, muss er entsprechend viel Insulin von außen dazugeben. Sonst bleibt der Zucker aus dem Kuchen im Blut. Treibt der Typ 1-Diabetiker Sport, verbraucht sein Körper mehr Energie, die Muskelzellen nehmen von sich aus mehr Zucker aus dem Blut auf. Da Sport aber zudem generell die Wirkung von Insulin verstärkt, dürfen Kinder mit Diabetes nicht zuviel von dem Hormon spritzen, sonst sinkt der Blutzuckerspiegel und das ist gefährlich.
Diabetes und Basketball, warum denn nicht?
Um den Blutzucker zu messen, nutzen Diabetiker ein elektronisches Gerät. Ein Bluttropfen reicht bereits.
© iStockphoto.com
Was Max aber vor allem freut: Die Pumpe eignet sich besonders gut beim Sport. Geht Max zum Training, stellt er sie auf eine bestimmte Insulinzufuhr ein und steckt das Gerät unter das Hosenbündchen seines Basketballtrikots. Spielt er am Wochenende auf einem Turnier, legt er seine Tasche mit dem Blutzuckermessgerät an den Spielfeldrand und kontrolliert den Wert einmal vor, während und nach dem Spiel. Wenn er sich beim Korblegen mal so richtig anstrengt, reduziert er die Insulinzufuhr aus der Pumpe.
Diabetes und Basketball - Max ist mittlerweile für beides Experte. Und das ist gut so, denn Basketball ist für Max wichtiger als alles andere. Schließlich will er später mal Profi werden.
Text: Beate Wagner