Die Geburt des ChristkindsDer Heilige Nikolaus, über den Du schon einiges erfahren hast, hat indirekt auch mit der Geburt des Christkinds zu tun: Im 16. Jahrhundert war es den Gründern der evangelischen Kirche ein Dorn im Auge, dass die katholische Kirche Heilige verehrte. Der Mönch und Theologe Martin Luther wollte den christlichen Glauben erneuern und alle Heiligen abschaffen, so auch Sankt Nikolaus. Da die Angehörigen der evangelischen Kirche aber nicht auf ihre Geschenke verzichten wollten, soll Luther die Bescherung 1535 auf Weihnachten verlegt haben.
"Der heilige Christ" sollte fortan die Geschenke bringen, verfügte er. So wurde Weihnachten zum Tag der Geschenke. Aus dem "heiligen Christ" wurde im Laufe der Zeit das Christkind. Ob die Figur des Christkinds, wie wir sie heute kennen, ursprünglich Jesus Christus verkörpert, ist nicht sicher. Forscher vermuten, dass die himmlische Figur mit Engelsflügeln aus weihnachtlichen Krippenspielen übernommen wurde. Fest steht aber, dass das Christkind seine Geschenke immer nur nachts und immer nur heimlich bringt, ähnlich wie der Nikolaus.
Im 16. Jahrhundert glaubten vor allem evangelische Familien an das Christkind. Bei den Katholiken brachte weiterhin der Nikolaus am 6. Dezember die Geschenke. Etwa um 1900 war es dann soweit, dass das Christkind auch Einzug in katholische Haushalte fand. Und nicht nur das - der Nikolaus und das Christkind tauschten allmählich die Seiten. 1930 glaubten die Kinder im katholischen Süden und Westen von Deutschland überwiegend an das Christkind, im evangelischen Norden und Osten an den Nikolaus.