Wie kommt das?
Ein Grund könnte sein, dass Erwachsene Jungen viel häufiger sagen, dass sie mathematisch begabt sind. "Die Jungen trauen sich deshalb einfach mehr zu im Matheunterricht", vermuten die Forscher. "Jungs sind gut in Naturwissenschaften, Mädchen in Sprachen" - ein altes Vorurteil, das immer noch in unseren Köpfen herumspukt. "Die Ergebnisse zeigen, dass Mädchen die gleiche Leistung bringen, wenn sie dieselben Hilfsmittel und weibliche Vorbilder haben", erklärt die Leiterin der Studie, Nicole Else-Quest. Jungen seien motivierter, weil sie glauben, dass Mathe-Kenntnisse für ihren beruflichen Weg wichtig sind.
Entscheidend ist also nicht das Talent, sondern die Gleichbehandlung. Mädchen müssen unterstützt werden und brauchen weibliche Vorbilder. In Ländern, in denen viele Frauen als Wissenschaftlerinnen arbeiten, sind Mädchen selbstbewusster und können besser rechnen, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung. "Wenn eine Mutter oder ein Lehrer glaubt, dass man nicht für Mathematik taugt, kann das großen Einfluss auf das Selbstbild haben", sagt die Psycholgin Janet Hayde von der Universität Wisconsin. Wenn Mädchen ermutigt würden, an ihre Rechenkünste zu glauben, könnten sie bald genauso gute Noten haben wie Jungen, glaubt sie.
Berühmte Mathematikerinnen
Auch in der Vergangenheit gab es nicht nur männliche Mathematiker. Bedeutende deutsche Mathematikerinnen waren zum Beispiel Emmy Amalie Noether und Ruth Moufang. Emmy Noether wurde 1882 geboren und gilt als eine der Begründerinnen der modernen Algebra. Algebra ist noch heute ein wichtiger Teil der Mathematik, der auch in den Schulen gelehrt wird. Ruth Moufang wurde 1905 geboren. Sie arbeitete vor allem zum Thema Geometrie und war die erste Mathematikprofessorin Deutschlands. Noether, Moufang und andere weibliche Mathegenies standen allerdings meist im Schatten ihrer männlichen Kollegen und sind deshalb heute nicht so bekannt. Ob die Studie das alte Vorurteil entkräften kann, dass Frauen und Mathematik nicht zueinander passen? Sie trägt zumindest dazu bei, Mädchen Mut zu machen und sich keine Rechenschwäche einreden zu lassen.