Die meisten Menschen sind Tag für Tag unterwegs – mit dem Auto, dem Motorrad, dem Fahrrad oder zu Fuß. Stell Dir vor, es würde keine Verkehrsampeln geben, die regeln, wann wer fahren oder gehen darf… Auf den Straßen ginge es wohl ziemlich chaotisch zu. Seit wann gibt es Ampeln? Wie funktionieren sie? Und warum zeigen sie eigentlich rot und grün und nicht etwa blau oder braun?
Bei Rot anhalten, bei Grün fahren oder gehen: Diese Regel kennt jeder Verkehrsteilnehmer. Damit alles reibungslos läuft, schalten Ampeln zwischen Rot, Gelb und Grün hin und her. An Kreuzungen müssen sie so eingestellt sein, dass sich die Fahrzeuge aus verschiedenen Richtungen nicht in die Quere kommen und zusammenstoßen. Computerprogramme errechnen, welche Ampel wann rot oder grün sein muss. Entweder steuern Polizisten in der Verkehrsleitzentrale diese Programme oder Schaltkästen, die in der Nähe der Ampel stehen.
Wenn die Ampel ausfällt... Funktioniert die Ampel zum Beispiel wegen eines technischen Fehlers nicht, müssen sich alle LKW-, Auto- und Motorradfahrer an die Verkehrsschilder halten. Diese regeln, wer Vorfahrt hat und wer warten muss. Sind keine Schilder da, gilt die Regel „rechts vor links“. Man darf also erst fahren, wenn von rechts keiner mehr kommt. An viel befahrenen Kreuzungen regelt meistens ein Verkehrspolizist oder eine Verkehrspolizistin den Verkehr, wenn eine Ampel ausfällt.
Unterschiedliche WartezeitenIst Dir schon mal aufgefallen, dass Du an derselben Kreuzung mal länger,
mal kürzer auf Grün warten musst? Je nachdem wie viel Verkehr gerade
herrscht, verkürzen oder verlängern sich die Rot- und Grünphasen. Es
gibt zum Beispiel Programme für den Berufsverkehr, also für die Zeit, in
der sehr viele Menschen morgens zur Arbeit und abends nach Hause
fahren. Morgens müssen Fußgänger zum Beispiel oft recht lang warten,
damit die vielen Autos die Kreuzung schnell überqueren können. Nachts
wechseln sich Rot und Grün dagegen häufig ab, damit die wenigen Autos
und Fußgänger, die unterwegs sind, nicht lange warten müssen.
Nicht jede Ampelkreuzung wird jedoch von voreingestellten Programmen
gesteuert. Es gibt auch spezielle Drähte, die in die Fahrbahn eingesetzt
werden. Diese reagieren auf metallische Gegenstände. Fährt ein Auto,
LKW oder Motorrad an die rote Ampel und die Drähte darunter registrieren
das, springt die Ampel der kreuzenden Straße auf Rot und die bei den
stehenden Fahrzeugen auf Grün.
Kleine Geschichte der Ampel
Die Nachbildung der ersten Ampel am Potsdamer Platz
© icomedias/Dorsch
Die erste Ampel überhaupt gab es 1868 in London (England). Damals allerdings "nur" für Kutschen und Fußgänger. Weil das elektrische Licht noch nicht erfunden war, nutzten die Menschen damals Gaslichter. Elektrische Ampeln kamen erst über 40 Jahre später zum Einsatz:
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1914: Eine elektrische Verkehrsampel mit rotem und grünem Licht wird in Cleveland (USA) aufgestellt.
- 1919: In Detroit (USA) gibt es die erste elektrische Verkehrsampel mit den Farben Rot, Gelb und Grün.
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1922: Die dreifarbigen Ampeln kommen nach Europa, zuerst nach Paris und Hamburg.
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1924: In Berlin wird die erste Ampel am Potsdamer Platz aufgestellt.

Ampelmännchen in Berlin: Die rechten stammen aus der ehemaligen DDR.
© icomedias/Dorsch
Ampeln für Fußgänger
Ampeln gibt es nicht nur für die fahrenden Verkehrsteilnehmer, sondern auch für Fußgänger. Sie zeigen nur rot oder grün, auf das gelbe Licht müssen Fußgänger verzichten. Nur in Düsseldorf gibt es dreifarbige Fußgängerampeln.
Fußgängerampeln sind kleiner und haben ein Ampelmännchen, in einigen Orten auch Ampelfrauen. Sie sehen übrigens nicht überall auf der Welt gleich aus. Sogar innerhalb Deutschlands sind sie unterschiedlich.
Warum rot und grün?Das liegt an unseren Augen! Die Farben Rot und Grün können wir einfach am besten sehen. Wir erkennen Farben durch bestimmte Sinneszellen auf der Netzhaut. Diese Sinneszellen, auch Zapfen genannt, reagieren unterschiedlich stark auf verschiedene Farben. Einige Zapfen reagieren auf blaue, manche auf grüne, andere auf rote Farben. Von den "Blau-Zapfen" gibt es nicht nur weniger, sie sind auch weniger empfindlich als die anderen beiden. Rot und Grün nehmen wir dadurch stärker wahr als Blau.
Blind über die Straße
Kästen für sehbehinderte und blinde Menschen
© icomedias/Dorsch
Jeder, der sehen kann, erkennt die Ampelfarbe und weiß, wann er die
Straße überqueren darf. Aber was ist mit sehbehinderten und blinden
Menschen? An einigen Ampeln befinden sich gelbe Kästen mit drei
schwarzen Punkten. Springt die Ampel auf Grün, vibriert auf der
Unterseite ein tastbarer Pfeil. Diese Ampelmasten sind mit einem
Lautsprecher ausgerüstet, aus dem ein Tick-Geräusch kommt. Anhand des
Geräusches finden Blinde den Signalkasten leichter. Das Ticken passt
sich übrigens dem Lärm in der Umgebung an und wird lauter, wenn zum
Beispiel ein LKW vorbeifährt. Manchmal kommt auch ein Piepton aus einem
Lautsprecher am Ampelmast.
Text: Daniela Dorsch