
Was die Schäfer nicht wussten: Sie hatten an den Baumwurzeln das Mineral Grafit gefunden. Nach diesem ersten zufälligen Fund entdeckten die Engländer in den umliegenden Bergen eine große Menge reinen Grafit. Sie nahmen an, dass sie ein Mineral gefunden hatten, das Blei enthielt - unter anderem, weil es ähnlich aussieht, nämlich dunkelgrau.
Auch in anderen Ländern verwendeten die Menschen bald Grafit, um Stifte herzustellen. Die Stifte bekamen aber den eigentlich falschen Namen "Bleistift". Diese Bezeichnung beruht also auf einem Missverständnis.

Die ersten Bleistifte bestanden aus schmalen Stangen reinen Grafits, die in ein längliches Stück Holz eingebettet waren. Das dunkelgraue Mineral wurde schnell knapp, in Barrowdale war bald sämtliches Grafit abgebaut. Das machte die Bleistifte sehr teuer.
Der österreichische Architekt Joseph Hardtmuth entwickelte gegen 1790 eine Methode, mit der er Bleistiftminen aus Grafitpulver und Ton herstellen konnte. Das hatte den Vorteil, dass die Minen nicht mehr umständlich als dünne Stangen aus Grafitplatten herausgesägt werden mussten. Hardtmuth brauchte außerdem weniger vom teuren Grafit. Auch konnte er durch das Mischungsverhältnis erstmals Bleistifte mit harten oder weichen Minen herstellen: Je mehr Grafit, desto weicher ist die Bleistiftmine und desto dunkler die Linie, die er zeichnet.
Fast zeitgleich, etwa 1795, kam der französische Chemiker und Maler Nicolas Jacques Conté auf die Idee, Grafit zu verwenden, das nicht so rein wie das aus Barrowdale war. Dieses billigere Grafit enthielt Spuren von anderen Mineralien. Conté stellte ein Grafitpulver her, das er reinigte und danach mit Ton und Wasser vermischte. Aus der Paste formte er die Bleistiftminen, die er anschließend im Ofen brannte. Waren sie ausgekühlt, bekamen sie eine Holzhülle – fertig war der Bleistift. Diese Herstellungsmethode setzte sich schnell in ganz Europa durch. Nach diesem Prinzip werden Bleistifte bis heute hergestellt.
Auch heute noch gibt es Bleistiftminen mit unterschiedlichem Härtegrad. In der Schule verwendest Du wahrscheinlich einen mittelharten Bleistift. Schau Dir Deinen Bleistift mal genau an: Vielleicht findest Du an seinem Ende Buchstaben oder Zahlen. In Deutschland steht die Kennzeichnung HB für "mittel". 2B ist eher weich, 2H hart. Je nachdem, was Du mit einem Bleistift vorhast, bekommst Du im Schreibwarenladen Bleistifte in den Härtegraden 9B, also sehr weich, bis 9H – das ist sehr hart. Künstler verwenden zum Zeichnen und Skizzieren oft sehr weiche Minen. Grafiker und technische Zeichner benutzen harte Minen, um mit sehr feinen Strichen genaue Zeichnungen anzufertigen.