Wie misst man eine Küste?
Der südwestliche Teil der englischen Küste.
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Den Begriff "Fraktale" hat der französisch-amerikanische Mathematiker Benoît Mandelbrot in den 1970er Jahren erfunden. Er beschäftigte sich mit der Frage, wie er die Länge der englischen Küste am besten bestimmen könnte. Das ist gar nicht so einfach, denn Küstenlinien sind keine gerade Linien, ja, sie sind nicht einmal einfach krumme Linien oder gezackte Linien. Auch Küstenlinien sind Fraktale, ihre Struktur sieht aus unterschiedlichen Entfernungen immer ähnlich aus: Aus dem Flugzeug betrachtet machen Halbinseln einen ähnlichen Eindruck wie Felsen aus Höhe Deiner Augen oder kleine Steine aus der Perspektive einer Ameise. Das Problem bei der Längenmessung: Je genauer man hinschaut, desto mehr Ausbuchtungen entdeckt man. Wie soll man da bloß die genaue Länge bestimmen? Hast Du eine Idee?
Du könntest eine Landkarte nehmen und darauf mit einem Lineal nachmessen. Besonders genau wird Deine Messung dann aber nicht. Du könntest die Küstenlinie auf der Karte mit einem Faden nachbilden und ihn dann auseinanderziehen und messen. Schon besser, aber auch nicht sehr präzise. Oder Du machst Dich zu Fuß auf und misst die Küste mit einem Zollstock. Das wäre ganz schön aufwändig. Und es birgt weitere Tücken: Soll man den Umfang jeder Klippe mitrechnen? Jeden Felsen oder Stein berücksichtigen? Klar ist auf jeden Fall: Je genauer Du misst, desto länger wird die Küste. Denn wenn Du um eine Klippe herum misst, ist das länger als wenn Du ihren Umfang nicht berücksichtigst und nur ihren Durchmesser misst. Und wenn Du zusätzlich den Umfang jedes Felsen oder gar den der Sandkörner einbeziehst, dann kann die Küste sogar unendlich lang werden. Es ist also gar nicht möglich, ihre Länge – ohne Angabe der verwendeten Genauigkeit – exakt anzugeben.